Jesus … ein Mann ohne Humor?

Kein Tag scheint aktuell zu vergehen, an dem sich die eine oder andere Glaubensrichtung aufführt, als hätte man ihnen das Lieblingsspielzeug weggenommen.
Der einleitende Satz macht vermutlich schon deutlich, dass ich selbst kein Problem darin sehe, „zentrale Elemente des Glaubens“ zu verunglimpfen. Das liegt ganz einfach daran, dass die Institutionen „Kirche“ oder „Moschee“ andere Elemente als „zentral“ empfinden als ich, als auch meiner Überzeugung, dass wenn es einen Menschen wie Jesus gegeben hat, dieser sicherlich nicht „humorlos“ gewesen sein kann.

Sicherlich würde ich es mir nicht anmaßen, in unseren Freisinger Dom während einer Messe mit einem Plakat selbiger Karikatur zu marschieren, um die dort anwesenden Menschen von meiner Einstellung zu „überzeugen“. Kein Kiffer würde ja auch auf die Idee kommen, bei einer Wein-Messe mit einem Plakat aufzutauchen, auf dem er die Besucher davon überzeugen möchte, dass Wein trinken viel schädlicher ist, als eben der Konsum von Cannabinoiden. Mal abgesehen davon, dass der Kiffer wahrscheinlich andere Beschäftigungsmöglichkeiten favorisiert, als Überzeugungsarbeit zu leisten.

Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass man in der heutigen Zeit mit Steinwürfen, Fahnen verbrennen und angebliche Massenunruhen auf derartige Provokationen reagieren muss. Wobei ich mich hier deutlich von diesem hässlich produzierten und über Youtube verbreiteten Video distanzieren muss, und dies in keinster Weise so „locker“ sehen kann, wie das Comic mit Jesus auf der Caricatura. Dazu ist dieses Youtube Machwerk einfach zu sehr darauf ausgerichtet, Menschen, die einer bestimmten Glaubensrichtung anhängen gezielt zu beleidigen. Aber! Auch „unsere“ Kirchenvertreter reagieren ähnlich auf das Comic wie manche radikalisierte Imame in anderen Ländern. Und da frage ich mich dann schon, wie man als „westliche Welt“ von der „muslimischen“ fordern kann, auf dem Teppich zu bleiben, und das ganze nicht „so Ernst“ zu nehmen.

Das Problem liegt meines Erachtens in der Grundhaltung. Und die scheint auf beiden „Seiten“ die Gleiche zu sein:
„Beleidige nicht meine Götzen, sonst gibt es Haue“!

Ob die „Haue“ dann „nur“ verbal geäußert, oder ihren Ausdruck in der Form der Gewalt findet, dass ist noch einmal ein anderes Thema, aber es ist meines Erachtens das Gleiche Problem: Es wurde vorher eine Götze beleidigt. Bitte was? Jesus eine Götze? Wie? Hä?

Richtig! So wie die vielen Gruppierungen der christlichen Kirche Jesus, den heiligen Geist oder Maria darstellen ist es eine Götze im Geiste! Der Begriff wird „heilig“, eine Verunglimpfung des Begriffs als: „du glaubst nicht, und du beleidigst meinen Glauben“ interpretiert. Und wenn ich das nicht so sehe, bin ich eben in den Augen der Kirche kein richtig gläubiger Christ.

Damit kann ich leben. Allerdings glaube ich auch fest daran, dass wenn ich die ethisch moralischen Grundlagen der christlichen Kirche beherzige, versuche nach diesen zu Leben, dass wenn es einen „Gott“ geben sollte, und es auch zu einem jüngsten Gericht kommen sollte, ich diesem Gott fest in die Augen schauen kann: „Ja, nach meinem besten Wissen und Gewissen habe ich versucht nach deinen an Moses gegebenen Regeln zu leben“.

Und dazu muss ich nicht daran glauben, dass Maria Spaß nur mit dem heiligen Geist hatte, und Jesus über das Wasser ging!

In diesem Sinne: Amen.



http://de.wikipedia.org/wiki/Tugendethik
http://de.wikipedia.org/wiki/10_Gebote#Verh.C3.A4ltnis_zu_alt.C3.A4gyptischen_Texten
http://de.wikipedia.org/wiki/Thomasevangelium
(22) Jesus sah Kleine, die gesäugt wurden. Er sprach zu seinen Jüngern:
„Diese Kleinen, die gesäugt werden, gleichen denen, die ins Königreich eingehen.“
Sie sprachen zu ihm: „Werden wir als Kleine ins Königreich eingehen?“
Jesus sprach zu ihnen:
„Wenn ihr die zwei zu eins macht und
wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere und
wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen macht, so daß das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist, und
wenn ihr Augen macht anstelle eines Auges und eine Hand anstelle einer Hand und einen Fuß anstelle eines Fußes, ein Bild anstelle eines Bildes,
dann werdet ihr in [das Königreich] eingehen.“

Lil Louis – Blackout (Phase 1 – Original 1989 Mix)