Glaub doch was du willst …

… solange es der Glauben an „meinen“ Gott ist.

Denn ansonsten bist du ein Heide, und je nach dem Mäßigungsgrad der betreffenden Religion muss ich dich töten oder nur bekehren (was letztendlich auf das Gleiche rauskommt).

So kann man durchaus die „Religions-Politik“ der letzten 2000 Jahre kurz zusammenfassen. Dabei hatte das Christentum durchaus sehr gute Ansätze, und sogar einen Menschen Namens Jesus, der anscheinend sehr viele sehr kluge Sachen gesagt haben soll. Auch der Islam mit seinem Propheten Mohammed ist in vielen Punkten vielversprechend, auch wenn ich mich dort dank meiner Geburt und dem Kulturkreis in dem ich aufgewachsen bin nicht so gut auskenne wie im Christentum.

Dem Christentum schreibt man für die damalige Zeit bahnbrechende Ideen zu, zum Beispiel das es nur einen Gott gibt, doch halt. Die Idee hatten schon die Juden. Die Christen brachten dann die „Dreifaltigkeit“ bestehend aus Vater, Sohn und heiliger Geist mit ins Spiel, als auch die Idee, dass Gott uns bereits vergeben hat, da sein Sohn „für uns“ am Kreuze gestorben und wiederauferstanden ist sowie die Grundhaltung „Liebe deinen nächsten wie dich selbst“ (Möp, nein das mit der Nächstenliebe hatten die Juden auch schon). Die 10 Gebote, die Moses mit vom Berg brachte blieben leicht umgestellt erhalten. Interessant finde ich bei den 10 Geboten, dass fünf von Ihnen bereits im Ägyptischen Totenbuch enthalten sind, dort im sogenannten negativen Sündenbekenntnis. Also ist es durchaus nicht falsch, dass alle drei „großen“ Religionen den gleichen Ursprung haben, und für sich in Anspruch nehmen, dass nur Sie DEN! richtigen Gott kennen.

Nur „wer“ ist denn Gott? Jesus soll ja sein Sohn sein, wer, wenn nicht er hätte, sozusagen genetisch bedingt den besten Draht zu ihm? Nur, und das lässt mich extrem wundern, beschreibt er seinen Vater kaum. Nun ist Gottes Sohn schon mal auf Erden, und es gibt keine schmutzigen Geheimnisse? Im Thomasevangelium, wenn man sich dieses durchliest erhält man oft Beschreibungen von dem Reich seines Vaters, also das Königreich oder Himmelreich, in welches wir alle eingehen sollen. Erstaunlicherweise sind die zeitliche Bezüge aber auf das „Jetzt“ und nicht das Leben nach dem Tode ausgerichtet. So interpretiert scheint es also möglich zu sein, dass Himmelreich auf Erden zu seiner Lebzeit zu erlangen. Wenn man sich diese Evangelium durchliest, so findet man schlicht keine Beschreibungen wie Gott ist. Manche Wesenszüge werden angerissen, diese Andeutungen sind dann aber auch schon alles. Nach nun 38 Jahren Lebenserfahrung stelle ich mir also erneut die Frage wer also ist Gott? Und nachdem ich meiner Frau von dem vorherigen Artikel stammenden Teil des Evangeliums erkläre, kommen mir sehr merkwürdige Gedanken, die mich die letzten drei Tage nicht losgelassen haben:

  • keiner konnte mir bisher glaubhaft von der Existenz Gottes berichten
  • keiner konnte seine „Person“ oder „Stofflichkeit“ nachweisen
  • und selbst sein Sohn erzählt nix konkretes über ihn

Nun könnte man einfach sagen, Gott gibt es nicht. Nun musste ich aber selbst in sehr schwierigen Situationen meines Lebens feststellen, dass es unheimlich hilfreich sein kann, einen „Gott“ zu haben, den man anbeten (bitten) kann, und einem dies das Lösungsorientierte Denken früher ermöglicht, als wenn man das beten unterlässt. Man könnte also sagen, ich habe meinen Gott gefunden, aber es ist meiner, mein Gott im Geiste! Wenn du magst, glaub an ihn, aber sei dir bewusst, jeder ist Gott in sich selbst, es macht keinen Sinn, an meinen Gott zu glauben.

Huch? Ja, was? Nein … das kann nicht so einfach sein. Unmöglich! Für dieses Geisteskonstrukt sind nicht die letzten 2000 Jahre unzählige Menschen getötet, gefoltert und verfolgt worden. Wenn nämlich dein Gott die Nächstenliebe predigt, und du mit den fünf Geboten kein Problem hast, habe ich nämlich kein Problem auch an deinen Gott zu glauben. Aber dann haben sich wirklich die Menschen den Schädel eingeschlagen, nur weil der Name des Gottes nicht der richtige war, sie aber dennoch alle das gleiche wollten. Meine Güte … was wäre das eine Erkenntnis, das jeder Gott in sich selbst ist, und Glaubenskriege so nötig wären wie sich um ein Spielzeug streiten!

Lil Louis – Blackout (Phase 1 – Original 1989 Mix)

1 Gedanke zu “Glaub doch was du willst …

  1. Du hast es erfasst: lösungsorientiertes Denken und verantwortungsbewusstes Handeln ermöglichen.

    Gott ist für mich der Raum in mir und zwischen uns, der ein lebendiges Miteinander möglich macht.

Schreibe einen Kommentar