Erziehungsexperimente der 60/70er … ein Ergebnis

Ein guter Bekannter und Facebook Freund stellte mal folgende These auf:

Aktuell gehe ich davon aus, dass in den Erziehungsexperimenten der 60/70er die Ursache für die hohen Verschreibungsraten für Psychopharmaka zu suchen sind

Dieser These stimme ich zu. Natürlich sind die Erziehungs-Experimente nicht alleine daran „Schuld“, aber sie sind auch in meinen Augen ein wichtiger Baustein. Als „Experiment“ betrachte ich ebenfalls die Anti-Autoritäre Erziehung, die anscheinend bei Vielen nur als „Kind nicht hauen“ -Erziehung angekommen ist.

Ich gehe davon aus, dass die, die sich dies ausdachten damit 100% nicht meinten, dass man sein Kind gar nicht mehr erziehen darf! Was auch in meinen Augen sinnvoll ist, ist „Schmerz“ nicht als Erziehungstool heran zu ziehen. Nun haben aber Erwachsene deutlich mehr Möglichkeiten „Schmerz“ zu verursachen als mit physischer Gewalt!

Und ganz ehrlich … lieber nehme ich den körperlichen Schmerz! Um das genauer zu erklären ein Beispiel aus meiner Kindheit:

Ich glaube ich war sieben oder acht Jahre alt. Physische  Gewalt wurde von allen Teilen der Patchwork-Familie in der „Erziehung“ verachtet. Meine Mutter hat mich, wenn ich mich recht entsinne ein zwei mal den Arsch versohlt, und zwei oder drei Ohrfeigen verteilt. Respekt! Sollte ich mal Kinder haben würde ich mir Wünschen, diese Werte noch zu unterbieten. Ob mir dies aber gelingen würde wage ich  allerdings zu bezweifeln.

Da wie schon geschrieben „Patchwork-Familie“ war ich auch sehr oft bei meiner Großmutter. Die hat zwei Weltkriege mitgemacht … Man kann also sagen, sie ist zu einer GANZ! anderen Zeit groß geworden. Besagte Großmutter hat mir EINMAL! eine Ohrfeige verpasst. Ich hatte sehr wütend, weil ich keinen zweiten Eisbecher bekam ihr gegenüber ein sehr böses „ARSCHLOCH“ raus gehauen. Da hat es dann gescheppert. Danach hat sie sich ne Woche lang entschuldigt.

DIESE! Ohrfeige allerdings löste in mir eine ganze Menge aus:

1. Erwachsene machen auch Fehler
2. Man darf Fehler machen
3. Egal wie „lieb“ dich jemand hat … jeder Mensch hat eine Grenze
4. Ein Fehler kann passieren
5. Es ist wichtig verzeihen zu können

Eine ganze Menge Erkenntnisse für eine Ohrfeige oder? Seelischer Schmerz bei mir damals? Evtl. ne halbe Stunde. Körperlicher Schmerz? Lächerlich, meine Oma konnte nicht gut hauen, und hat sich schon während des Schlages erschrocken!

Was ich damit sagen möchte ist, dass „Anti-Autoritär“ nicht gleichgesetzt werden sollte mit „Gewaltfrei“, wobei das natürlich ein anzustrebendes Ideal ist. Vor allem ein Ideal das einem Kind auch vermittelt werden muss. Aber Kindern müssen Grenzen gesetzt werden können. Sonst können Eltern ihren Erziehungsauftrag gar nicht wahrnehmen. Natürlich muss eingegriffen werden, wenn die Eltern die physische Gewalt nicht nur in der absoluten „Notsituation“ verwenden … und sich dann evtl. gar nicht die Zeit nehmen, dem Kind zu erklären: „Nein, hauen ist trotzdem schlecht, aber ich konnte mir gerade anders nicht helfen. Ich weiß dass das falsch ist, aber ich bin auch nur ein MENSCH!“.

Aber es kann auch nicht sein, dass Eltern Angst haben müssen, ihren Kindern gegenüber im Supermarkt laut zu werden, ohne dass das Jugendamt klingelt. Ich hoffe meine Differenzierung ist verständlich :D.

Deswegen gefallen mir aktuell auch ein paar Musikvideos von Marteria recht gut. Klar, die aktuelle Produktion ist auf „Jung“ gemacht. Sprich die Bildsprache ist POP. Die Texte aber, wenn man sie losgelöst von Musik und Musikvideo betrachtet haben ne Menge Weisheit in sich ;).
http://www.youtube.com/watch?v=fkMg_X9lHMc 
http://www.youtube.com/watch?v=7CAIBIXIZN8
http://www.youtube.com/watch?v=AWcFHEdhYys