Warum bin ich Bud Spencer Fan?

Wegen meiner Narbe!

Bitte was?
Ja, wegen meiner Narbe auf meiner Stirn.

Bevor ich Ihnen nun werter Leser eine neue Version von „Die Kuh Elsa ist tot“ präsentiere muss ich Ihnen erklären, wie es zu der Narbe kam.

Meine leiblichen Eltern leben seit meinem 1/2 Lebensjahr getrennt. Das hatte zur Folge, dass ich meinen leiblichen Vater nur alle 14 Tage am Wochenende zu Gesicht bekam (natürlich auch an Geburtstagen und Weihnachten), welche wir dann Sonntags häufig bei den Eltern meines Vaters verbrachten.

Besagte Großeltern wohnten nun in einer Art Pförtner-Wohnung eines kleineren Gewerbehofes, auf dem es eine Gummifabrik, eine Autoschlosserei und auch einen kleinen Schrottplatz gab.

Ich bin mir nicht mehr zu 100% sicher, wo genau die beiden Fahrräder herkamen, eines für mich, eines für meinen Vater, neu waren sie aber nicht. Mit besagten Fahrrädern wollte ich dann unbedingt ein Wettrennen veranstalten. Klar, 5 1/2, da muss man Vatern schon mal zeigen wo der Hammer hängt.

Als Ziellinie wurde der Gulli ausgemacht, ca. 15 Meter vor dem den Gewerbehof absperrenden Stahltor. So nen Riesentor, dass, wenn es geöffnet war Platz für zwei Sattelschlepper lies. Es war glücklicherweise geschlossen.

Natürlich hatte mein Vater immensen Vorsprung vor der Ziellinie, aber das hatte ich ja eingeplant. Ich hatte ca. ein halbes Jahr vorher mein erste Fahrrad bekommen, und logischerweise habe ich mit der Rücktrittbremse meines eigenen Rades den Powerslide geübt bis zum Umfallen.

So konnte ich ihn mit Vollgas ganz knapp noch vor der Ziellinie abfangen, und stieg wie gewohnt mit meinem ganzen Gewicht in den nicht vorhandenen Rücktritt … darüber erstaunt, dass es auch Räder ohne Rücktrittbremse  gibt raste ich dann ungebremst auf das Stahltor zu und bekam einen exklusiv Unterricht in den newtonschen Gesetzen.

Im Krankenhaus, wo der Cut an der Stirn genäht werden musste versuchte mein Vater mich noch mit Sprüchen wie „Narben machen Sexy“ aufzuheitern. Logische Antwort eines fünf ein halb jährigen: „ICH WILL NICHT SEXY SEIN!“.

Nun denn, mit dickem Verband, bestimmt dem Ein oder Anderen gegen Schmerzen (daran erinnere ich mich nicht) wieder bei den Großeltern versuchte man mich aufzuheitern.

Und das gelang. Da mein Großvater bei Siemens arbeitete, hatte er recht früh einen VHS-Recorder. Und an diesem Tag „Sie nannten ihn Mücke“ da. Den ersten Bud Spencer Film den ich sah. Jedes Lachen (und bei dem Film lacht man als fünf ein halb jähriger auf Drogen eigentlich ständig) tat es zwar weh wie Hölle … aber ich konnte nicht aufhören zu lachen :D.

Ab diesem Sonntag gab es immer, wenn ich zu Besuch war, und ein neuer Bud Spencer in der Videothek zur Verfügung stand einen Bud Spencer Film.

Später kamen die Filme dann im Fernseher, und auch da habe ich sie wieder gerne gesehen. Klar, einfaches Weltbild, und „das Gute“ siegt über „das Böse“ zwar mit Gewalt, aber nicht mit tödlicher Gewalt. In Bud Spencer Filmen stirbt keiner an der Haue.

In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag Herr Pedersoli!

Oliver Onions – Bulldozer 1979