Es hat mich nicht zu interessieren

Ich hab aktuell ein großes Problem.

Ich lebe in einem Land, in dem es zum großen Teilen den Menschen sehr gut, in kleinen Teilen extrem gut, und
insgesammt im Vergleich zur Welt sozusagen perfekt geht.

Eigentlich ist das ja kein Problem. Mir müsste es also blendend gehen. Immerhin habe ich ein Dach über dem Kopf,
täglich genügend zu Essen, und alles Mögliche an Bildung und Unterhaltung steht mir offen. Zugang zum Internet.

Sicherlich ist es richtig, dass die Schere zwischen arm und reich auch in Deutschland immer weiter auseinander klafft.
Aber selbst als Sozialhilfeempfänger kann ich in Deutschland eigentlich nicht verhungern. Natürlich, es kann passieren,
dann müssen aber noch sehr viele Dinge zusammen kommen. Wirklich am Hunger zu sterben ist in Deutschland fast nicht
möglich.

Warum geht es mir dann nicht gut? Weil es vielen Menschen auf der Welt verdammt schlecht geht. Und ich mit meinem
Lebensstil dazu beitrage das es so bleibt, und teilweise sogar schlimmer wird.

Natürlich bin ich in erster Linie für mich selbst verantwortlich. Egoist wollte ich aber nie sein.

Ich muss aber leidvoll feststellen, dass ich alleine das alles nicht ändern kann. Und das ständige sich darüber aufregen, dass es anscheinend viele gar nicht als Problem sehen, ja sich gar nicht einmal die Gedanken machen möchten, oder gar darüber zu diskutieren, dass es so vielen schlecht geht, macht mich krank.

Und dann den Kopf vor der schreienden Ungerechtigkeit in den Sand zu stecken, dass schaffe ich leider nicht. Aber wenigstens nicht mehr so viel darüber aufregen, daran arbeite ich.

Wohl dem Menschen, wenn er gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann, und preiszugeben mit Würde, was er nicht retten kann.

Friedrich Schiller

Update 29.05.2015:
KenFM im Gespräch mit: Jean Ziegler