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Der Patient / 23.12.2012 – 11.01.2013

Klatsch-Bumm. Jo, war gut getroffen. Anette saß auf dem Boden, unfreiwillig. Ich hatte ihr ja gesagt, sie soll mir nicht sagen, ich sei langweilig. Ja, gut, so weit schubsen wollte ich sie eigentlich auch nicht, aber sie ist Schuld. Eindeutig. Was will der Pfleger von mir? Ja, klar, fixieren. „Anette sag doch auch mal was“. „Herr Pfleger, dass war wirklich nur ein Spaß“. „Was? Ok, wenn de meinst“. Ja gut. Fixierung. Weil wir uns mit Einverständnis ein bisschen schubsen. Extrem verhältnismäßig. Bleib ruhig, er versucht seinen Job zu machen und ist jetzt Nachts das dritte mal alleine. Dann fixier halt.

Also fad ist das jetzt schon hier alleine in dem Bett. Aber es ist eh 04:00, keiner wach mit dem man reden kann, Anette ist auch ins Bett gegangen. Stimmt ja, jetzt bin ich langweilig. Hm … ah, schau mal an, das Fixierbett hat Inlays. Hä? Ich sehe die. Ok, er hat sie gar nicht verwendet. Was soll das denn? Ich hab Spiel in beiden Händen und an der rechten Schulter. Hm. Sollen wir es probieren? Mal mit langsamen Druck probieren, atmen, anspannen, langsam, stärker, noch stärker, STÄRKER! Ne, so bringt das nix. Aber wenn ich Spiel habe, dann müsste doch was gehen.

KNACK, ok, Schulter ausgerenkt, jetzt habe ich noch viel mehr Spiel. Arm Nummer eins, Arm Nummer zwei, Gott ist das einfach. Die Schulter wieder einrenken, dass wird ein Spaß. So, nun noch die Beine, mit zwei Händen und einem Arm auch nicht wirklich eine Hürde. So, und aufs Bett stellen. Ah, schau mal wer da kommt. „Und, willste mich noch mal fixieren?“. Ja, gut, dass dachte ich mir. Dann halt nicht. Scheiße, die Schulter tut schon bisschen weh. Wie ging das doch gleich wieder zurück? AUTSCH, ok, so nicht. Naja, lassen wir sie halt ausgerenkt. Interessiert hier doch eh keinen.

„Schön das du kommen konntest, Sahra, glaub mir bitte, dass hier ist eine Scheiß Klinik“. „Weil?“. „Die haben mich gestern Nacht fixiert, aber total schwachsinnig. Ich musste mir nur die Schulter ausrenken, und konnte raus, ich hab gestanden auf dem Bett, nochmal wollte er sich nicht die Blöße geben.“. „Willst du mir sagen, dass deine Schulter ausgerenkt ist?“. „Jup, dass ist sie“. „Und du warst noch nicht beim Arzt?“. „Sahra, nochmal, es sind Feiertage. Ja, es gibt einen Bereitschaftsarzt, aber damit sie den rufen brauchst du ne offene Bauchwunde oder ein Messer im Kopf!“

„Ui, dass Essen ist echt gut.“. „Also gut, nochmal. Du lässt dich jetzt gegen den Rat der Ärzte entlassen, fährst mit mir zum Rahm und gehst nach Taufkirchen?“. „Jup, so wäre mein Plan“. „Ok, dann lass uns das so machen“.

„Herr Fendt, hallo, Yambaz mein Name. Ich wollte mit ihnen die Aufnahme machen“, „Na dann…“. „Warum kommen sie zu uns?“. „Mein Psychiater in München meinte sie sind zuständig“. „Ja, völlig korrekt, so meinte ich das nicht, Entschuldigung. Welche Beschwerden haben sie?“.

„Also das mit der bipolaren Störung, dass sollte man sich genauer anschauen, dass sehe ich aktuell nicht, hatten sie früher schon solche Probleme? Ah, ok, in Berlin. Manisch-Depressive schizoaffektive Psychose? Hm. Also ich behandele sie jetzt erst einmal auf Psychose, die haben sie, ohne Frage, aber das mit der Bipolarität sollte man nochmal genau anschauen. Sprechen Sie den Pr. Dr. Dose darauf an, der soll das kontrollieren. Ja, ich danke ihnen, dass sie in ihrer Situation so reflektieren können, dass ist sehr selten.“. „Danke Herr Yambaz“. „Was ist eigentlich mit ihrer Schulter? Bitte was? Und das wurde nicht untersucht? Ok, dann fahren sie jetzt erst einmal nach Erding in die Notaufnahme.“

„Dieser Verband ist aber schon extrem unpraktisch oder? Ja, gut, ich werde ihn tragen, Spaß wird das keinen machen.“.

„Oh, hallo Herr Dr. Dose, sie wollte ich sprechen.“. „Das glaube ich, aber das machen wir oben, weil hier unten gehören sie nicht hin, dass hier ist die geschlossene Abteilung“.

„Nein, ich wollte den Pr. Dr. Dose sprechen. Ja, natürlich, es ist halt Winter, Grippewelle. Wäre denn Alternativ der Hr. Dr. Yambaz zu sprechen? Oh, auch? Uff. Ja, dann sprechen wir, klar, wenn beide Grippe haben.“

„Was mir in manischen Zuständen geholfen hat? Ja, ich glaube das war Haloperidol und Perazin. Ok, dann Haloperidol. Warum nur vier mg? In Berlin hatte ich sogar schon mal 38mg. Was? Nicht mehr als zehn mg? Ja, dann setzen sie die mal an. Aber bitte dann auch Akiniton Retard, sonst wird das mir zu anstrengend.“.